Buzzriders oder wie man ein Projekt in den Sand setzen kann

Hossa, jetzt hängt der Schneider sich wieder ordentlich zu weit aus dem Fenster und wird wahrscheinlich gleich entsprechend abgewatscht. Macht nichts, denn immerhin ist das hier meine Spielwiese.

Diesmal soll es um unseren alten Bloggerkollegen Robert Basic gehen, den ich einst sehr schätzte. Robert hatte einen erfolgreichen Blog, mit dem hoher Umsatz bei fraglichen Posts zu erzielen war. Der Blog wurde verkauft, Robert gehyped und um die ein oder andere Penunse reicher. Er wurde neudeutsch also lobolized.

Robert nutzte seine Chance und kündigte gleich ein neues Projekt namens Buzzriders an, welches das Internet vollkommen auf lokaler Ebene revolutionieren sollte. Lief nicht so richtig an, deshalb muss man sehen, dass man im Gespräch bleibt (an diesem Artikel sieht man, dass das tatsächlich gut funktioniert). Warum sollte man also seiner Kreativität freien Lauf lassen, wenn man eine Idee schon einmal erfolgreich umsetzen konnte? Schnell nachgeschaut, was noch zu veräußern ist und den eigenen Twitter-Account zum Kauf angeboten. Die Resonanz ist berauschend und Kleinbloggersdorf hat wieder Futter für neue Posts. Einen sehr interessanten Post zum Thema Account Verkauf und Wertigkeit eines Twitter-Accounts hat der Kollege Oliver Gassner geschrieben. Da gibt es von meiner Seite aus nichts mehr hinzuzufügen.

Doch was ist aus Buzzriders geworden? Warum ist das Projekt noch nicht am Start? Was hat Rob Almighty falsch gemacht? Meine 2 Cents zum Thema:

Der richtige Zeitpunkt über ein Projekt zu sprechen

Den richtigen Zeitpunkt hat Robert irgendwie verpasst. Er hat bereits alle Informationen aus dem Fenster geschleudert bevor er auch nur einen Nanopartikel Projekt am Start hatte. Weder Domain, noch Code, noch Design, noch Logo, noch überhaupt. Der Effekt sollte eigentlich jedem Netzmenschen klar sein: die Leute hören auf sich für das Projekt zu interessieren, bevor die Beta rausrollt. Das Internet ist das schnelllebigste Medium überhaupt. Informationen und Konzepte sind genauso schnell wieder verschwunden, wie man sie dem User um die Ohren geknallt hat.

Die Einfachheit einer Idee

Einstein hatte eine komplizierte Idee, aber auch die richtige Zielgruppe dafür. Gute Projekte im Netz sind einfach und mit wenigen Worten erklärt und für den User schnell zu verstehen. Robert hat es erst mit “genaueres kann ich noch nicht sagen”, dann mit “die Idee ist noch nicht ganz ausgereift”, dann mit “die Idee wird demokratisch aufgebaut” und endlich mit einem schwer zu verstehenden “Konzept” versucht. Bis heute weiß noch niemand genau was Buzzriders überhaupt werden soll und warum man Buzzriders braucht.

Überbewertung der eigenen Person

Jetzt komme ich zum eigentlichen Punkt. Die Überbewertung der eigenen Person. Sicherlich hat Robert in der Vergangenheit einen einmaligen Coup in der Blogosphäre gelandet und damit polarisiert. Das war´s dann schon. Der geplante Verkauf des Twitter-Accounts lässt mich aber an seiner persönlichen Einschätzung der eigenen Lage zweifeln. Was macht den Account so wertvoll? Ist es die Tatsache, dass er Robert Basic gehört hat oder sind es die vielen sinnvollen Tweets, die Robert über diesen Account abgesetzt hat? Ich habe irgendwann aufgehört Robert bei Twitter zu folgen, weil mich gute Bassläufe und seine Lieblingslieder zum 20. Mal pro Tag einfach nicht mehr interessiert haben. Auch wenn sie von Robert kommen.

Optik und Usablity

Bei aller Liebe zu OpenSource und gemeinschaftlich entwickelten Projekten, aber das Auge spielt ebenfalls eine große Rolle beim Erfolgskonzept. Wikipedia ist die einzig mir bekannte Seite, die es mit einem beschissenen Design und schlechter Usability wirklich weit gebracht hat. Schaue ich mir die bisherigen minimalen Resultate der Buzzriders Community an (z.B. das existierende Wordpress Theme), so kann ich mir kaum vorstellen, dass ich mich optisch animiert fühlen werde mich zu engagieren, die Seite zu lieben und immer wieder zu besuchen. Genauso wird es einer Vielzahl von Usern gehen.

Zum Schluss…

…wünsche ich Robert dennoch viel Glück und den nötigen Buzz sein Projekt noch vor der Geburt am Leben zu halten. Eine Chance hat er. Bei digitalpublic ist Robert übrigens selbst zu Wort gekommen und spricht über seine Beweggründe den Twitter Account zu verkaufen. Aus Gründen der nötigen Objektivität sollte man dort mal vorbeischauen.



9 Responses (Add Your Comment)

  1. Basics Buzzriders: Wie man ein Projekt ordentlich in den Sand setzen kann http://bit.ly/59Yyrp

  2. Heiko Schneider Dezember 23, 2009
    at 11:17

    Basics Buzzriders: Wie man ein Projekt ordentlich in den Sand setzen kann http://bit.ly/59Yyrp

  3. Ehm, erfolgreiches Projekt mit doofem Design? Myspace? Kennste?

    Zudem ist mir so ne Taktik wie Roberts lieber als die der halbe Zillion Twitterspammer, die einem folgen und 10 Stunden später entfolgen udn dei einem en passant ‘Get 500 Followers a day’-Dinger verkaufen wollen..

  4. Heiko Schneider Dezember 23, 2009
    at 17:53

    Sind wir bei zwei Phänomenen der Netzwelt.

    Bei Punkt zwei gebe ich dir vollkommen recht, wobei der Vergleich meines Erachtens deutlich hinkt. Mir ist ne harte Scheibe Brot auch wesentlich lieber als ein verschimmelter Joghurt. Die Qualität der Scheibe Brot wird hierdurch aber nicht wesentlich angehoben. Ob die Scheibe, der Joghurt oder der Robert letztendlich die bessere Taktik sind, wird sich zeigen.

  5. Hallo Heiko,
    was Optik auf dem Blog (Wordpress Theme) angeht kann ich dir teilweise zustimmen! Es gibt mit Sicherheit wesentlich besseres und auch anschaulicheres.
    Jedoch hat die Seite ja zum Glück nichts mit dem Projekt / Produkt zu tun, da wird es auf jeden Fall Professionelle Designer geben, die das machen werden.

    Und auch bei den weiteren Dingen kann ich nur sagen, dass es bis dato immer noch sehr spannend ist und es weiterhin Fortschritte macht, auch wenn man sie nicht überall sieht, bzw finden kann.

    Aber zum Post:
    Wirklich sehr interessant und gut zu lesen, bist in meine Feeds aufgenommen ;)

  6. @Heiko

    Rom wurde nicht an sieben Tagen erbaut, heißt es seit jeher:) Nix ist in den Sand gesetzt worden, wenn ich das so sagen darf. Ausgehend von einer Vorgabe “lasst uns etwas Lokales auf die Beine stellen, damit sich die Leute endlich vor Ort vernünftig austauschen und vernetzen können” hat sich sehr viel 2009 getan. Die Ideen/Findungsphase ist durch, die Umsetzungsphase wird das ganze Jahr 2010 in Anspruch nehmen. Stück für Stück wird Buzzridders in “fünf Jahren” (2014) da stehen, wo es hinkommen will. Ich plane nicht klein, sondern groß, dafür in kleinen, vernünftigen Schritten. Um aus Learnings zu wachsen.

    Wer wollte und will, hat sehr wohl mitbekommen, welche Richtug Buzzriders ganz konkret geht. Ich finde, das Projekt ist noch weitaus spannender geworden, als ich es ursprünglich gesehen habe. Und genau das hat mit der offenen Struktur zu tun, die zeitlich gesehen ein Nachteil sein mag, aber um Zeit geht es hier nicht primär.

  7. Heiko Schneider Dezember 29, 2009
    at 18:31

    Moin Robert, schön dass du dich hier zu Wort meldest und die Dinge ein wenig ins rechte Licht rückst. Bei aller Kritik (und wir sind bei dem ein oder anderen Punkt definitiv verschiedener Meinung) wünsche ich dir und den beteiligten Leuten natürlich alles Gute für das Projekt.

    Ein Projekt wie Buzzriders so langfristig aufzubauen, halte ich allerdings mit Blick auf die sich extrem schnell entwickelnde Internet-Technologie für sehr riskant. Eine Aufbauphase von insgesamt 2 Jahren ohne zu Beginn einen zu großen Rummel um das gute Stück zu veranstalten, wäre in meinen Augen pfiffiger gewesen.

    @Andre Danke dir für das Kompliment. Ich hoffe einen Stammplatz in deinem Feedreader zu finden :-)

  8. @Heiko
    Wer nicht hören will muss irgendwann fühlen. Du darfst die Worte des Großmeisters doch nicht anzweifeln!

    Grüße aus dem besten Ort der Welt

  9. So um nochmal meinen Senf hinzuzugeben. Man kann schon froh sein, wenn die Tanke umme Ecke sich in Google Maps eingetragen hat oder der Reifenhändler unter dir. Und ich rede hier von dem Giganten, fast schon Gott des Internet GOOGLE. Finde es ufert in leichten Größenwahn aus zu sagen, dass man 2014 ein dichtes Netzwerk geschaffen haben will. Und es ist noch eine Sache Daten an Google weiterzugeben als an einem klitze kleinen deutschen Startupunternehmen.

    Einfach nur so mal eben erwähnt. *PUFFdieSeifenblase*

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